Türkisches Generalkonsulat Bregenz

Mitteilung des Generalkonsulats

Leserbrief Des Botschafters Hasan Göğüş, Veröffentlicht Am 2. Dezember 2015 In Der Zeitung „salzburger Nachrichten“, Unter Dem Titel "gerechte Lastenverteilung" , 02.12.2015

"Falls die Karikatur, die in der Ausgabe vom 30. November Ihrer Zeitung veröffentlicht wurde, gezeichnet worden ist, um komisch zu sein, so verleitet dies mich zu Zweifel betreffend Ihr Humorverständnis. Sollte diese Karikatur eine Auffassung wiedergeben, so sehe ich dies als Bild eines tiefen Unwissens über die Flüchtlingskrise.

Die Türkei bewältigt den Flüchtlingsstrom seit zirka fünf Jahren allein und ist derzeit mit 2,5 Millionen Gästen das Land, das weltweit die meisten Flüchtlinge aufnimmt. Europa hingegen sieht sich erst seit Neuem mit dieser Krise konfrontiert. Europa hat erst jetzt begonnen zu verstehen, dass die Lösung dieses Problems in einer inhaltsreichen und langfristigen Zusammenarbeit liegt, die auf gerechter Lastenverteilung beruht.

Die Türkei ist niemandes „Wachhund“ und hat auch nicht die Pflicht, gegen Geld die Grenzen Europas zu schützen. Die Türkei hat für Flüchtlinge bis heute acht Milliarden Dollar ausgegeben und hat von der internationalen Gemeinschaft inklusive der EU lediglich 417 Millionen Dollar Hilfe erhalten. Die drei Milliarden Euro, die Sie in der Karikatur erwähnen, sind ein Erfordernis der Lastenverteilung und werden nicht für das türkische Volk, sondern für die Flüchtlinge verwendet werden.

Die Auffassung, die die Karikatur in Ihrer Zeitung reflektiert, ist tatsächlich bedauerlich. Mit dieser Karikatur wird sowohl der Türkei als auch den Menschen, die vor der Gewalt geflohen sind und in unserem Land Zuflucht gefunden haben, Unrecht getan. Die Türkei wird im Gegensatz zu manchen anderen EU-Mitgliedsländern, die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um Ihr Leben zu retten, weiterhin mit offenen Armen aufnehmen."